Verbraucherschlichtungsbericht 2026 liegt vor
29.07.2026
Der vom Bundesamt für Justiz alle vier Jahre zu erstattende Verbraucherschlichtungsbericht verzeichnet eine deutliche Zunahme der Anträge bei den anerkannten Verbraucherschlichtungsstellen. Ihre Zahl stieg von 104.645 im Jahr 2022 auf 146.446 im Jahr 2025, d.h. um rund 40 Prozent. Dementsprechend ist die Zahl der abschließend bearbeiteten Verfahren in diesem Zeitraum von 88.697 auf 134.920 angewachsen – eine Steigerung um 52 Prozent. Den größten Anteil daran hat die Schlichtungsstelle Reise & Verkehr, bei der – dank der massenhaft anfallenden Fluggastbeschwerden – ein Zuwachs um 140 Prozent zu verzeichnen war. Trotz der zunehmenden Inanspruchnahme liegt die durchschnittliche Verfahrensdauer – gerechnet vom Eingang des Antrags bis zum Verfahrensabschluss – unverändert bei ca. 100 Tagen.
Die Einigungsquote lag in den Berichtsjahren zwischen 78 und 88 Prozent und damit über den Werten des vorangegangenen Berichts von maximal 65 Prozent. Der Bericht versteht darunter das Verhältnis zwischen der Anzahl der im Vorverfahren oder durch Annahme des Schlichtungsvorschlags erzielten Einigungen und der Anzahl der Verfahren, in welchen ein Schlichtungsvorschlag nicht angenommen wurde. Nicht berücksichtigt sind dabei die Verfahren, die erfolglos bleiben, weil die Unternehmer sich nicht beteiligen. Deren Zahl ist bei den Stellen, bei denen eine Teilnahme nicht durch Gesetz oder Satzung vorgeschrieben ist, nach wie vor sehr hoch. So konnten z.B. bei der Universalschlichtungsstelle des Bundes rund zwei Drittel der zulässigen Anträge nicht behandelt werden, weil die Unternehmer die Verfahrensteilnahme abgelehnt haben.
Zusammenfassend kommt der Bericht zu dem Schluss, dass das Potenzial der Verbraucherschlichtung trotz der gestiegenen Antragszahlen noch nicht ausreichend ausgeschöpft ist. Die Verbraucher seien zu wenig über das Verfahren informiert und die Teilnahmebereitschaft der Unternehmer zu gering. Es sollten mehr branchenspezifische Schlichtungsstellen gegründet werden; bezeichnenderweise habe sich die Zahl der anerkannten Stellen (derzeit 27) seit Jahren kaum erhöht.
Zu weiteren Einzelheiten s. Verbraucherschlichtungsbericht_2026